Ökodorf Türkei: Lebensgemeinschaft Hermes Projekt
Hermes Projekt Lebensgemeinschaft in der Türkei Hermes Projekt: English Version Projet Hermes: Français Hermes Project: Russian Version Istrien - Kroatien Progetto Hermes- Fondazione di una Comunita` Eco-Villaggio Türkei Montenegro Hermes Projekt Spanish
Ökodorf Türkei Hermes Project        

 

Hermes Project Ecovillage Turkey

Wenn Sie unsere Idee unterstützen möchten, dann setzen Sie einfach einen Link auf diese Homepage, Danke!

 

Restaurant Neues Leben Ich liebe das Bayram

Bayram

Ramadam-Finale

von Ralph

Ab heute geht wieder alles seinen „normalen“ Gang?

Heute ist das Finale. Viele, nördlich der Alpen, werden das heute deshalb zur Kenntnis nehmen, da dieses Fest heute besonders oft in den Nachrichten erwähnt wird.

Und was ist Ramadam eigentlich? Es ist eine Zeit, ca. einen Monat lang, in welcher sich das Viertel der Menschheit, das dem Islam angehört, mehr als sonst zügelt. Fastet. Und zwar annähernd alle Männer, Frauen, jenseits der Pubertät. Die Moslems führen dieses Fasten heute noch durch. Im Gegensatz zu den Christen, nicht nur bei uns sondern weltweit, die das Wort Fastenzeit, Fastnacht zwar noch kennen aber kaum etwas damit anzufangen wissen, jedenfalls die meisten nicht.

Die Muslima, der Muselmann jedoch, annähernd durchgängig, zelebriert ihre Fastenzeit sehr wohl: Es wird z.B. von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts gegessen, kaum getrunken, nicht geraucht.

Es wird etwas öfter und inbrünstiger Gebetet. Manchmal sogar die vorgeschriebenen 5 x am Tag.

Hier bei uns oben, nördlich der Alpen, meist diskret, unbemerkt von uns hiesigen. Auch enthalten sich die Ehepaare tagsüber dem liebevollen, intensiven Beisammensein – dazu haben sie ja die Zeit nach dem Sonnenuntergang, wie auch für’s dann etwas üppigere Abendbrot und später Frühstück.

Von kleinauf erleben also alle diesen Brauch an sich selbst. Viele spüren dann, oft rechzeitig, daß man sich in der Zwischenzeit die das eine oder andere Dumme, gar Schädliches, angewöhnt haben. Wie das Rauchen z.B., immer wieder was in sich rein zu kippen u.ä. und können solches oft noch rechtzeitig wahrnehmen und sich in Zukunft etwas mehr zügeln.

Zum Finale wie gestern war ich vor 30 Jahren mal in der Türkei, fuhr mit Partnerin, sack und Pack im R4 von Assos (Behramkale) Richtung Izmir.

Damals kam man noch durch sämtliche Dörfer. Es war frühmorgens, immer wieder sahen wir angebundene Hammel, manchmal eine Menge Leute drumrum. Erst später erkannten wir, was da auf offener Straße geschah: die Hammel wurden geschlachtet. So immer wieder in den Dörfchen.
Als wir durch Eceabat kamen, einer richtigen Großstadt, sahen wir aus vielen Fenstern enthäutete Hammel hängen... sogar Stunden später in der 6-Millionenstadt Izmir. In der Dämmerung hielten wir dort, mitten drin, direkt am Prachtquai, als erstes an dem Restaurant an, an dem ich schon „immer“ als erstes angehalten hatte.

Ein sehr schickes Restaurant, es könnte so auch an irgendeinem Boulevard in Paris sein. Wir saßen noch nicht mal, als freudig erregt der Kellner angelaufen kam. Er erkannt uns wieder erkannt, umarmte uns, Bussi, Bussi. Auch der Wirt selbst kam gleich, Handschlag, Bussi, Bussi...
“Wie gehabt? fragte Dschengis, der Kellner, auftrumpfend lieb lächelnd.

Wir waren die letzten Male schon begeistert gewesen über die köstlichen Speisen dort - aber dieses Mal fielen wir schier um. Eine riesengroße Porzellanschüssel mit einem Riesenhaufen mit Hammel-, Lammfleischstücken, noch brutzelnd wurde vor uns auf die Warmhalteplatten gestellt zwischen einer Unmasse von Dipps (Mezler). Der ganze Tisch war bedeckt mit Tellern, Tellerchen.
Dschingis öffnete eine Flasche Rotwein, goß uns gekonnt ein. Ich lies, emanzipiert wie ich war, wie immer meine Liebst vorkosten.

Ich bat ihn, sich zu uns zu setzen (dort darf man das) nahm ein weiteres Weinglas, füllte es selbst und wollte es vor ihn hinstellen. Lächelnd legte er seine Hand auf sein Herz, der Kopf zuckte, wie schon so oft überall gesehen, leicht zurück mit einem kaum hörbaren Zungenschnalzen. Also „Nein, danke“. Diese Geste und deren Bedeutung lernt ja jeder bald, der nicht gerade als Ignorant aus seinem von Ferne gechartertem Clubghetto mit All-Inclusive kaum rauskommt.

Dschingis also schnalzte und zeigte zur Sonne, die kurz über dem Horizont hing. „Sonra, spätter, noch 15 Minutt“. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, hatte den ganzen Tag nicht dran gedacht, es war ja Ramadam! Ich Depp! Aber es war das erste Mal, daß ich das erlebte. Also deshalb die vielen Hammel, sogar bereits geschlachtete, abgezogen, in den Fenstern überall und sogar in der Millionenstadt.

Ein paar Minuten später ein lauter Knall, eher Donner. Ein Kanonenschuß.

Und gleich kam Dschingis, und der Wirt auch. Sie setzten sich zu uns, hatten eine weitere Riesenschüssel mit dampfendem Bratenfleisch mitgebracht. Auch eine ganze Flasche Raki samt den entsprechenden Gläsern, Wasserkaraffe... wir schmausten stundenlang.

Dabei erklärte uns Dschengis das, was ich oben über Ramadam bereits schilderte. Auch, daß morgen seine gesamte Familie zu Besuch käme, sogar aus dem 2000 km entfernten Van in der Osttürkei und auch ein Onkel aus L.A mit seiner Familie. Dschengis freute sich darauf aufgeregt wie ein kleines Kind.

Ramadam ist eigentlich der allergrößte Feiertag der Leute im Islam. Die Kinder freuen sich darauf wie die bei uns auf Weihnachten. Werden in der Familie beschenkt, auch auf den Straßen von „Wildfremden“, mit Spiel-Kleinkram aber hauptsächlich mit Süßigkeiten aller Art.

Das ist dann der Seker-(Zucker-)Bayram.

Es war schon nachtdunkel als wir unseren Verdauungsrundgang am Hafenquai machten. Auf einem Platz abertausende von Leuten, Riesentribüne vor einem Riesenprachtbau, riesengroß auch das Denkmal mit Atatürk auf seinem Roß daneben. Die vielen, vielen, Leute. Mehr als bei Jimi Hendrix auf Fehmarn. Und das für mich Besondere ....die Mehrzahl Kinder. Meist in Gruppen um ein paar begleitende Erwachsene herum. Wunderbare Musik klang von der Tribüne. Ein älterer Mann mit Schäuzer sang, mal zu seiner Gitarre, mal zur Saz, ein Riesenochester dahinter mit klassischen und mit modernen Elektronikinstrumenten. Wenn er sang, es war ungemein melodisch, war es auf dem ganzen Platz, in der Reisenmenge, mucksmäuschen still. Nur manche summten leise die Melodien mit. Aber zwischen den Liedern immer ein frenetischer Beifall, Applaus, der wohl durch ganz Izmir schallte.

Später traten Kinder auf, mit Querflöte, Geige..., ein kleines Mädel sang mit einem Jungen ein Volkslied zweistimmig, ein Junge trug ein Gedicht vor...

Ich fragte einen Mann neben mir, der wie ich seine Tochter auf den Schultern hatte, wer der Sänger gewesen sei. Freundlich buchstabierte er mir den Namen zum Notieren.

Am nächsten Morgen ging ich in einen Platten laden, fragte nach Musik von dem Herrn „Sadik Gürbüz“ von gestern, gleich bekam ich 3-4 MC vorgelegt. Eine davon schob mir der Verkäufer entgegen.

„Diese best Sadik! You like him?“

... er erzählte mir ein Ohr ab (wie oft erlebt ich solches): das Sadik der Lehrer und Freund von Hermann van Veen. „You know Hermann?“ Ja, ich kannte und liebte die Musik dieses Holländers sehr. Lange und oft war er in den 80ern sogar in den Charts in ganz Europa. Besonders sogar mit seinen vielen Kinderliedern.

„Sadik gestern spielte umsonst für die Kinder – Das macht er immer an Seker-Bayram, Sadik guter Mensch, schöne Lieder.“ wurde mir erzählt.

Bayram und das Zuckerfest erlebte ich dann und wann mal wieder in der Türkei.
Und die Auftritte der Künstler für die Kinder waren immer irgendwie anders als z.B. das „Konzert“ der Kellys bei uns, das ich später mal in Frankfurt per extrem teuren Tickets mit meinen Kids besuchte.

Ich vergaß zu erwähnen:

als ich nach dem Essen und Trinken im Restaurant nach der Rechnung fragte, bekam ich bald diskret das übliche mit Samt ausgeschlagene Zier-Holzkästchen hingestellt. Die Rechnung darin letztes Jahr, für ein nicht ganz so üppiges Essen wie eben, war gerade mal so hoch als wäre man zu Hause Pizza essen gegangen. Der übliche Zettel war darin. Darauf stand: „Sie waren unser Gast“...

Eben beim Schreiben hörte ich mir, seit langem mal wieder, Lieder von Sadik an. Weltklasse!

Noch was: Die Ramadam-Regeln gelten ausschließlich für Koran-Gläubige. Aber nicht für deren Kranke, Schwangere und Reisende! Gästen mit anderer Religion wird es niemals verwehrt tagsüber zu Essen, Trinken, Rauchen etc.

An sich ne tolle Sache dieses Ramadam. Warum wurde dies eigentlich in unserem, dem meist christlichen Kulturkreis hier oben, im Laufe der Zeit so vergessen, frage ich mich.

Ralph

 

Wollt Ihr auch Euren Erfahrungsbericht veröffentlichen? Schickt uns Eure "Türkei Story"

 
 

 

Impressum | Kontakt

mobile.de - Ihr Fahrzeugmarkt im Internet

Nach oben