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Türkei macht sich für Investoren attraktiver

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Senkung der Körperschaftssteuer

Türkei macht sich für Investoren attraktiver

Von Gerd Höhler / Handelsblatt

Die türkische Regierung wird die Körperschaftssteuern deutlich senken. Damit soll die Türkei im Wettbewerb um ausländisches Investitionskapital konkurrenzfähig bleiben. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte am Dienstag in Ankara an, zum 1. Januar 2006 die Körperschaftssteuern um zehn Prozentpunkte auf 20 Prozent zu senken.

ANKARA. "Damit werden wir ausländische Investitionen anziehen und unsere Wettbewerbsfähigkeit mit benachbarten Staaten, EU-Mitgliedern und Beitrittskandidaten stärken", sagte Erdogan.

Die am Dienstag zunächst mit Verlusten gestartete Istanbuler Börse reagierte auf die Ankündigung mit steigenden Aktienkursen. Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte die Regierung den Steuersatz von 33 auf 30 Prozent reduziert. Mit der neuerlichen Senkung geht sie deutlich über ihre bisherigen Pläne hinaus. Noch im September hatte Finanzminister Kemal Unakitan eine Reduzierung des Steuersatzes um "zwei bis drei Prozentpunkte" angekündigt. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Steuerschraube in den kommenden Jahren weiter gelockert wird: bis 2010 könnte der Steuersatz auf 15 Prozent sinken, heißt es in Regierungskreisen. Auf diesem Niveau liegen die Unternehmenssteuern einiger osteuropäischer Länder.

Nach Angaben von Wirtschaftsminister Ali Babacan flossen im ersten Halbjahr 2005 ausländische Direktinvestitionen (FDI) von 2,9 Mrd. Dollar in die Türkei - mehr als im gesamten Vorjahr, als sich die FDI auf 2,8 Mrd. Dollar summierten. In den Jahren davor lagen die FDI in der Türkei bei durchschnittlich einer Mrd. Dollar. Mehrere große, in diesem Jahr abgeschlossene Privatisierungen sind in den diesjährigen Zahlen noch nicht berücksichtigt. So bekam im Juli die saudische Oger-Gruppe den Zuschlag zur Übernahme von 55 Prozent der Fernmeldegesellschaft Türk Telekom. Für die Beteiligung wird Oger in den kommenden Jahren in mehreren Tranchen 6,55 Mrd. Dollar zahlen. Weitere Privatisierungen sind in der Pipeline.

"Wir brauchen ausländische Direktinvestitionen, um Arbeitsplätze für 500 000 bis 700 000 junge Menschen zu schaffen, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen", sagte Wirtschaftsminister Babacan vor dem Verband der Ausländischen Investoren in der Türkei (YASED) in Istanbul. "Unser Land hat in den vergangenen Jahren nicht nur eine wirtschaftlichen Aufschwung erlebt sondern auch einen Mentalitätswandel", sagte Babacan. Heute brauche man eineinhalb Tage, um eine Firma zu gründen, früher seien es zweieinhalb Monate gewesen. Der Vorsitzende des Investoren-Verbandes YASED, Saban Erdikler, bestätigt: "Das Investitionsklima hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert, die Investoren bekommen jetzt mehr Unterstützung der Regierung."

Das neue Investitionsförderungsgesetz stellt in- und ausländische Investoren gleich. Die Sanierung des Bankensektors, früher eine Achillesferse der türkischen Wirtschaft, gilt als abgeschlossen. Auch die makroökonomischen Vorgaben sind gut: nach der jüngsten, am Dienstag veröffentlichten Prognose der OECD kann die Türkei in den beiden kommenden Jahren mit einem Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent rechnen. Inflation und Zinsen liegen auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Die Einbindung in den EU-Beitrittsprozess und das Ende 2004 verlängerte Stand-by-Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds gelten als Garanten für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

Laut Prognose des Wirtschaftsministeriums könnte das Land in den kommenden zehn Jahren rund 25 Mrd. Dollar ausländischer Direktinvestitionen absorbieren. Als attraktive Branchen gelten der Bankensektor und die Bauwirtschaft. Das Interesse der Investoren richtet sich aber auch auf die Telekom-Branche, den Energie-Sektor, den Tourismus und den Einzelhandel. Deutschland stellt traditionell die größte Zahl der ausländischen Investoren.

 

Quelle:Gerd Höhler/Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com

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